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Warum die bevorzugte Seite?

In diesem Artikel versuche ich zu erläutern, warum es wichtig ist, auf der richtigen Seite einer Startlinie zu starten. Als kleine Einführung in einen lose Serie zum Thema Regattasegeln, Taktik und Strategie.

Was nicht heisst, daß wir all dies hier immer und bei jeder Regatta beherzigen ;-(

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Der ideale, ideelle Kurs bis zur ersten Marke

Auf diesem Bild ist das zu sehen, was es so gut wie nie gibt. Unten ist die Startlinie, gebildet meist aus dem Startschiff und einer Bahnmarke. Oben, genau so, daß die Startlinie in zwei gleiche Teile geteilt wird, ist das Luvfass.

Alle anderen Bahnmarken habe ich erstmal weggelassen, denn es geht um den Start und den Weg in Richtung der Luvbahnmarke

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Hierdrauf lege ich der Einfachheit die möglichen Kreuzkurse. Meine Schiffe können der Einfachheit nur bis zu 45° an den Wind gehen. Und, ganz klar: Meine virtuelle Regattaleitung sind "echte Helden", denn sie haben es geschafft, die Startlinie genau im rechten Winkel zur Windrichtung zu legen.

Jetzt wäre es ziemlich egal - von den Wegerechtsregelungen mal abgesehen - von welcher Seite man starten würde: der Weg zum Luvfass ist von beiden Extremseiten aus gleich lang.

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Das nebenstehende Bild 3 zeigt jetzt die Kursraute und die sogenannten Anlegelinien, auf englisch Laylines. Ab den Extrempunkten in der Mitte des Kurses sollte man jetzt nicht weiter und darüber hinaus fahren, sonst verschenkt man viele Meter. Auf welcher Seite des Kurses man sich befindet, wenn man schon dicht oben am Luvfass ist, ist eher ein Fall für die Segelregeln und geht auch in die Strategie der Regatta ein, aber hier geht es erstmal um die richtige Position am Start.

Winddreher 10°

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Winddreher 10° rechts

Leider ist der Wind, das himmlische Kind, ein sehr launisches. Er ist unkonstant, und vor allem hat er die Eigenart, zu pendeln, also kleine Drehungen zu machen. Deshalb ist es selbst den besten Regattaleitungen nicht möglich, einen Start so zu stecken, daß die Linie immer absolut 90° zum Wind ist. Die von mir hier verwendete 10 Grad Dehung ist völlig im Bereich dessen, was auch bei internationalen Events normal ist.

Nun verschiebt sich die ganze Harmonie, denn das rechte Schiff kann auf seinem Weg wesentlich besser Boden zur Luvbahnmarke gutmachen, während Boot "Rosa" einen deutlich tieferen Hart-am-Wind Kurs steuern muss.

Nur: Ist das wirklich so schlimm für rosa? 

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Auf den oberen 3 Bildern geben die Pfeile die gleiche zurückgelegte Strecke an, und man kann sehr schnell sehen, daß gelb nach einer einzigen Wegstreckeneinheit schon wesentlich mehr Weg in Richtung des Luvfasses gemacht hat, als rosa. Rosa benötigt eine Wegstreckeneinheit, um überhaupt an die Position (bezogen auf die Wendemarke) heranzukommen, von der aus gelb gestartet ist.

Die gelben Linien stellen die sogenannte Leiter dar, die Schnittpunkte der möglichen Kreuzkurse nach links oder rechts.

In der obigen Abbildung starten sowohl rosa als auch gelb auf gleichem Bug von einer 100 Meter langen Startlinie mit einem Dreher von 10 Grad. Gelb hat durch die Wahl der richtigen, bevorzugten Startlinienseite einen Vorteil von 25 Metern - schon beim Start.