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Bodensee Quer 2012

Wir können auch Langstrecke...

Platz 1 bei der Bodensee Quer

Das Regattawochenende 8./9. September war für viele Teilnehmer eine Geduldsprobe, weil auf dem Bodensee wie so häufig kein Wind wehte. Keine guten Voraussetzungen für die Regatten, die stattfanden. In Konstanz wurde das End-of-Season-Race der Konstanzer Midweeks ausgetragen, es gab die Nachtregatta im Überlinger See, die Friedrichshafener Einhand und die Bodensee Quer von Langenargen nach Rietli und zurück.

Wir hatten uns für die Quer entschieden, da diese zur IBYM (der Yardstick Jahresmeisterschaft) zählt. Am Freitag überführten wir das Schiff von Konstanz nach Langenargen zum YCL, einen großen Teil der Strecke sogar unter Segeln, haben noch etwas gegessen und uns dann aufs Schiff verzogen, weil einfach nix los war im Festzelt.
Mit der Steuermannsbesprechung um 11:30 ging es dann weiter - der Start sollte um 13:00 erfolgen. Die Quer war, fast als eine Ausnahme in diesem Jahr, sehr gut besucht. Es gab über 100 Meldungen der unterschiedlichsten Boote und Klassen. Alle starten gemeinsam von Langenargen mit einer 1 km langen Startlinie, und der Wettfahrtleiter ermahnte uns, dies diszipliniert und ohne Frühstart zu tun, da eine Startwiederholung nur unnötig Zeit kostet und dann mit Black Flag durchgeführt werden würde.

bsquer_vorstart.jpg

Vorstartphase

Wir starteten dicht am Startschiff, wo zwar das größte Gedränge herrschte und daß auch eher die benachteiligte Seite darstellte, aber ich hatte mich dazu entschieden, weil ich keinesfalls in Lee des Feldes fahren wollte. Die Abwinde und Störungen bei dem leichten Wind bekommen der vela nicht gut, da wir ja den Geschwindigkeitsvorteil im Vergleich zu den anderen Schiffen nicht ausspielen können.
Wir fuhren lange Zeit einen AmWindkurs, nicht press, sondern immer darauf bedacht, unser Schiff laufen zu lassen, und konnten eigentlich ganz gut mit dem Feld mithalten. Circa eine Meile vor der Bahnmarke vor Rietli drehte der Wind sehr glücklich vom vorherrschenden 5-Knoten-Westwind etwas nördlicher (für uns also achterlicher), und wir setzten den Spinnaker und konnten die Tonne, die schlecht auszumachen war, mit 3 kn Fahrt und einem Kurs 185° anliegen.

Über die Lage der Tonne waren wir uns nicht ganz sicher, weil ich im Vorfeld leider nicht meine alten Wegpunkte ins GPS überspielt hatte und nur die grobe Peilung der Goldachmündung genommen hatte. Aber Petra wusste uns zu helfen, indem sie den Spi seinem Schicksal überließ, unter Deck verschwand, und das "Leg An" konsultierte. 2 Gastanks am Ufer sollten da sein. Sie kam wieder hoch, mit unserem Fernglas, und hielt in der einen Hand die Spischot, und in der anderen vorm Auge das Fernglas, um mir so die Peilung anzusagen. Hatten wir auch noch nie ;-)

An der Tonne war es wieder sehr eng, weil sich das ganze Feld in dem schwachen Wind zusammengeschoben hatte. Das ist der "Yardstick-Effekt", wie wir ihn nennen. Mit den engen Windfenstern am Bodensee schiebt sich ein Feld mit derartiger Spreizung der YST Zahlen ordentlich zusammen. Unsere "Gegner" hatten wir auf diesem letzten Stück unter Spinnaker ganz gut im Griff, aber nach der Tonnenrundung befanden wir uns leider in Lee vom Feld - und das Schiff lief gar nicht mehr, weder die Höhe noch die Geschwindigkeit. Die ähnlichen Schiffe, die wir meinten, sicher eingeholt zu haben, konnten alle höher und schneller fahren als wir.

bs_quer_track.jpg

Aber da war doch noch der Winddreher von der Hintour! Also haben wir das halt versucht. Fuhren unter Genua möglichst raus auf den See, um in die anderen Windbedingungen zu kommen (sieh da!) und haben dann wieder unseren Spinnaker gezogen. Das Feld lief relativ tief mit 024° auf die Einlauftonne vor dem BMK Hafen zu, wir luvten aber mit einem Kurs von etwa 016° von unten nach oben durch das Feld. Wir können mit unserem Schiff und unserem Spi nicht so tief fahren, sie läuft dann nicht. Diesmal haben wir der Versuchung widerstanden, auf die Anlegelinie zu gehen, Geschwindigkeit zu verlieren und uns den Spinnaker durch die vielen Motorbootwellen permanent zusammenzuschuckeln zu lassen. Über Motorboote lass' ich mich hier nicht weiter aus. Es gibt so Tage, da könnt' ich ..... .

Weiter auf das Ziel zu war die Windablenkung durch das Ufer zu merken, und wir konnten bei gleicher Segelstellung tiefer auf das Ziel zuhalten. Einen heiteren Moment gab es noch.... wer lesen kann ist klar im Vorteil ... mit einer kleinen gelben Boje direkt vor der Hafeneinfahrt: Müssen wir da etwa noch rum? Während des Spifahrens ist Petra nochmal nach unten gekrabbelt, und hat das dann auch noch geklärt (JA). Die letzte Meile war zäh. Sehr zäh. Unsere Zielduchgangszeit war 17:47.

Unsere gut segelnde "Konkurrenz" hatten wir wärend der Rücktour aus den Augen verloren. Einfach nicht mehr drauf geachtet. Wo sind sie? Gesehen hatte ich hinter uns die Weichsel mit dem Karo im Spi, Patrick Bürke mit der "Silvermine" habe ich während der gesamten Regatta nicht wahrgenommen, die "Grace" war sicher hinter uns. wo sind die ganzen 806en, die uns immer zu schaffen machen, wo die Sprinta Sport - und wo steckt Christian mit seiner Tigerente?

Wir wissen nichts, rechnen uns aber schon eine ganz gute Platzierung aus, weil beim Zieleingang lauter Schiffe aus der schnelleren YST Gruppe 2 um uns herum sind. Zweiter Indikator: Es gibt noch Liegeplätze an Steg G vom YCL. Aber wir mussten noch bis nach 22:00 warten, als in schnellster Reihenfolge die Segelnummern der plazierten Schiffe heruntergelesen wurden. Bei Platz 10 war ich schon ganz zufrieden, als wir bei Platz 5 immer noch nicht dabei waren, habe ich mich schon gefreut. Aber daß wir als letzte aufgerufen wurden und mit einem riesigen Pokal in der Hundekoje nach Hause fahren würden, sprengt alle meine Erwartungen.

Das war unser allererster Sieg bei einer Langstrecke.