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Capraia - wir kommen!

Nach einer erholsamen Nacht sind wir (wie fast immer) recht früh auf, Petra läuft in den Ort, um frische Backwaren zu holen und wir machen ein gemütliches Frühstück. Heute soll es nach Capraia gehen, der im Nordwest liegenden Insel, die ein schönes Absprungbrett nach Korsika darstellt.

Wind ? !

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Als wir auslaufklar sind, kräuselt sich das Wasser vor Marciana - es ist also Wind da. Draußen vorm Hafen ist dann sogar viel Wind da, und einige größere Schiffe, die wir aus Richtung Portoferraio sichten, haben schon Segelfläche reduziert. Wir starten konsequenterweise im ersten Reff. In Ermangelung eines Windmessers tippe ich mal auf Mittelwind 18, in Boen 25 Knoten. Aber trotzdem steuern wir Kurs Nordwest, amwind. Das Gepüster lässt etwa 4 Meilen vor der Küste auch merklich nach, ist also ein thermischer Effekt, wir reffen aus und entspannen uns. Oder sollte man sagen "entkonzentrieren"? Die vela verlangt schon eine gewisse Aufmerksamkeit, und gewöhnt an die Wind- und Wellenverhältnisse sind wir noch nicht.

Zwischenflaute mit Delphinen

Wir verbringen die nächsten Stunden recht angenehm, es ist nicht zu heiss, es gibt einen Imbiss und wir haben nachmittags eine Delphinschule, die uns fast eine Viertelstunde begleitet und immer wieder unter unserem Bug hindurchtaucht. Es sind eher wenig Schiffe zu sehen, und Capraia kommt immer weiter in Sicht. Der Wind nimmt nach einer einstündigen Flautenphase wieder zu und dreht auf Nordost, so daß wir erneut mit über 5 Knoten unterwegs sind; die ersten Krönchen auf den Wellen bilden sich. Aber es ist nicht weit, so daß wir ziemlich sicher wissen, nicht noch mit den Elementen kämpfen zu müssen.

Einfahrt Capraia Isola

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Die Einfahrt in den Hafen der Insel ist immer wieder schön, weil das schroff und hochragende Inselchen aus der Entfernung nicht so aussieht, als könne man da irgendwo an Land, aber rundet man den Leuchtturm, tut sich eine Bucht auf, in deren Scheitelpunkt der Yachthafen und der Fähranleger liegt. Der Ort ist oben auf den Klippen.

Die Marina ist recht leer, und wir werden von einem Marinero des Teams auf einen kurzen Platz im Bereich der Fischer- und Schlauchboote gelegt. Die Anfahrt ist recht eng, ich drehe das Schiff im Hafenbecken um, damit der Wind auf dem Bug steht und ich genug Grundspeed achteraus habe, um sauber manövrieren zu können. Wobei ich immer recht langsam unterwegs bin - man muß nicht mit 4kn achteraus gehen.

Ein wenig Sorge machen mir immer die in spitzem Winkel stehenden Muringleinen, denn wenn sich Ruder oder Kiel darin verheddern ist es nicht mehr lustig und mit der Souveränität isses dann auch Essig.

Aber alles ist fein, wir haben die Tripleinen der Muring in der Hand, und Petra hat glücklicherweise die extra angeschafften Bauhandschuhe an. Die Muring ist ziemlich eklig. Modder geht ja noch, aber weiter nach vorne durchgereicht, ist die Leine Muschelbewachsen - und auch ein wenig kurz, denn wir können die Muring gerade belegen, haben aber schon ein gutes Stück der Muschelkette über Wasser.

Die Handschuhe sind nach diesem Manöver aufgeschlitzt.

Der Mistral kommt

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Aber: schöner Platz, direkt gegenüber der Gelateria, wir bekommen Strom und sogar einen Wasserschlauch gebracht.

Preislich ist Capraia in Ordnung, zumindest nach Marcina Marina fast wohltuend: 27 Euro für die Nacht. Ich zahle bei der Chefin der Cooperativa und sehe mir den Wetterbericht an, der per Monitor in Dauerloops abspielt. Das sieht nicht gut aus. Es wird ein Mistralausläufer kommen, der von Cap Corse in Richtung Capraia auslaufen wird. Wir schmeissen auf dem Schiff unsere I und Android Phones an und verschaffen uns die Vorhersage vom Windfinder, der französischen Mistralzentrale aus Aix en Provence und den italienischen Detailwetterbericht.

Wenn man alles mögliche in einen Topf wirft, mittelt, sich am Kopf kratzt... dann bedeutet das um die 35 kn Wind, 2 bis 2,5 m Wellenhöhe für die nächsten 48 Stunden. Danach soll der Spuk vorbei sein.

Und das heißt: Urlaub auf Capraia.
Es gibt eine kleine Hoffnung, daß das Ganze schneller durchzieht, aber auf mindestens zwei Nächte sollten wir uns einstellen.

Essen auf Capraia

Wir gehen abends essen. Ich hätte gerne Hafenblick und will nicht die steile Straße in den Ort hoch. Also gehen wir in die Pizzeria/Trattoria oberhalb der Tankstelle. Ich habe in Italien selten so schlecht gegessen, so teurer und eine so unfähige Bediencrew erlebt. Kann ich nur von abraten. Ein Eindruck, der mir von mehreren aus Livorno stammenden Crews bestätigt wird - auf Capraia ist selber kochen angesagt.

Wind, die Zweite

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20 Knoten, auf der abgeschirmten Seite der Insel...

Nach Mitternacht geht es dann los. Es pfeifen Böen durch den Hafen, die Riggs fangen an zu singen (und das Fallen Tak Tak Tak einiger Yachten kommt hinzu). Die Schiffe liegen in der Marina quer zum einfallenden Wind, und unsere Vela legt sich, wie könnte es anders sein, auf die Seite, der Bug pendelt und die Heckleinen rucken ein. Bei dem Tanz ist an Schlaf teilweise nicht mehr zu denken. Petra macht sich Sorgen wegen der Muring. Weniger, weil sie nicht hält, sondern eher, weil diese eine Muring die Leemuring ist. Und muschelbewachsen. Das gibt doch Kratzer. OK, ich stehe auf und finde am Kai noch eine Tripleine, grabbel mir die Muring und lege die noch als Luv-Bug-Befestigung. Hört und sieht sich besser an. Im Hafen teilweise fliegendes Wasser durch die Fallböen.

Urlaub auf Capraia

Am nächsten Morgen geht es nach einer kleinen Abschwächung dann weiter. Es legt niemand ab. Nur die Fähre legt an und für eine Stunde gibt es einen Riesentrubel am Kai.

Danach: Siesta. Wir machen einen Spaziergang hoch in den Ort, kaufen Brot und Gemüse (wir wollensollen ja kochen!), laufen auf die Klippen und zum alten Genueserturm. Ich komme recht gut mit meinen Büchern voran.

Alle im Hafen liegenden Yachten tauschen sich über die aktuelle Wetterentwicklung aus, und bei einigen kommt auch sowas wie Stress auf, den es geht auf das Wochenende zu, und dann müssen die Charterschiffe ja wieder in ihren Basen sein.

In so einem Fall ist es dann supercool, mit dem eigenen Schiff unterwegs zu sein und noch nicht mal an Abreise denken zu müssen.

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Wir werden häufiger auf unser Schiff angesprochen, es scheint nicht nur uns zu gefallen.

Abends gibt es dann Nudeln mit Gemüse a la vela.

Duschen ist auch mal wieder angesagt. Es gibt öffentliche Duschen, sehr sauber, regelbares Wasser, alles gut. Für vier (4) Euro pro 3-Minuten-Düscherin. Das ist ziemlich sportlich.

Korsika / Bastia
Nachdem sich das Wasser
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