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Zurück nach Elba

Diesmal aber keine drei Nächte!

Nachdem es tatsächlich abends und in der Nacht ziemlich viel Wind gab, mußten wir erstmal auf den Fährkai vorlaufen - "wie es denn so aussieht". Gut, nicht allzuhohe Wellen ohne Krönchen, eine gute drei aus Nord bzw. Nordwest.

Wir beobachten noch das Ankermanöver eines tschechischen Dreimasters, scheinbar ein Jugend- Trainingsschiff und machen uns dann auch klar zum Ablegen in Richtung Elba.

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Querab des kleinen Leuchtturms setzen wir unsere Segel; die im Urlaub allseits bewährte G2 mit vollem Groß. Rauschen mit halbem Wind in Richtung Elba, Sonnenschein und Welle und einige Frachtschiffe im Seegebiet. Weitere Charter- und Fahrtenyachten laufen mit uns aus, und als kleine Flottille haben wir alle in etwa den gleichen Kurs. Die großen Yachten sind nur unwesentlich schneller als wir mit unserem grünen Wasserfloh.

Nach etwa drei Stunden raumt der Wind, so daß wir eine Halse fahren; die grobe Richtung ist jetzt die Nordwestspitze von Elba. Kreuzen vor dem Wind - wir sind zu faul, um den Spinnaker zu ziehen.

Die Windfelder verändern sich erneut, so daß wir nochmals den Kurs ändern, diesmal wird ein Amwindkurs daraus, auch das macht Spaß. Mit Highspeed geht es in Richtung des Hafens von Marciana Marina, erst direkt in der Einfahrt nehmen wir die Segel weg und funken die Marineros an, ob sie noch ein Plätzchen für uns haben.

Das ist, hatte ich schon erwähnt, einer der Hauptvorteile mit so einem kleinen Schiff: Es gibt immer irgendwo noch einen kleinen Platz, diesmal neben dem Tauchausflugsschiff am Schwimmsteg. Duschen: Nein danke, die Erfahrung hatten wir ja schon einmal, Stegdusche für Mensch und Maschine kommt aber gut.

Wir gehen später noch in die Pizzeria "La Scaletta" in einer Seitenstraße des Ortes; die ist zwar proppevoll, aber das ist ja meist ein guter Indikator für ein leckeres Essen.

Reservetag?

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Der heutige Tag ist der eigentliche Reservetag, denn wir müssen eigentlich erst übermorgen wieder in Salivoli sein, um die Herauskranaktion stressfrei über die Bühne zu bekommen.

Aber da auch wieder mehr Wind angesagt ist, beschließen wir schon heute in Richtung Festland zu segeln, und den Rest- Tag zum Spielen vor Salivoli zu nutzen. So können wir im Zweifelsfalle einen Hafentag machen und haben nicht 20 Meilen bei den angesagten 5-6 Beaufort vor uns.

Das Wetter zeigt sich von der besten Seite, es weht ein leichter Wind aus N / NE, und wir sind wieder mit unserer üblichen Reisegeschwindkkeit von 4-4,5 Knoten ostwärts unterwegs. Ein bisschen schade ist es, daß wir dieses Segelrevier schon wieder verlassen müssen - aber unser täglicher Wettercheck sagt auch, daß es am Bodensee mindestens genauso heiß ist wie hier in Italien.

Wir laufen in der Mittagspause (und -hitze) in Salivoli ein und machen erstmal am Tankkai fest, weil die Marinaverwaltung erst wieder um 15:00 besetzt ist. Der Gästekai ist STB direkt an der Einfahrt, und wir werden zwischen zwei 40-Füßern geparkt. Wir laufen in Richtung des Parkplatzes, um zu sehen, ob das Auto noch da und unbeschädigt ist - eine Sorge, die sich als völlig unbegründet herausstellt: Hotel California ist zwar ziemlich verstaubt, aber alles noch drin und dran, und auch der Ersatzreifen hat noch Luft und sieht gut aus.

Wir gehen am nächsten Morgen nochmal ein wenig "spielen" und fahren einfach nur so zum Spaß in Richtung Capo della Vita und zurück, bis der Wind soweit auffrischt, daß wir aus lauter Bequemlichkeit wieder zurück in den Hafen fahren. Schlappen in Richtung der Werft, um mal Bescheid zusagen und zu fragen, ob es mit dem Krantermin am nächsten Nachmittag auch klappen wird. Und: Überraschung! Der Krantermin ist schon am nächten Tag frühmorgens! Also heißt dies, daß wir den Nachmittag damit verbringen, das Auto zu holen und das Schiff wieder transportfähig zu machen und alles auszuräumen, die Segel abzuschlagen. Uns läuft der Schwitz in Strömen, aber abens beim kalten Bier und einer leckeren Pizza (im Bliss direkt am Hafen) schauen wir sinnierend auf die untergehende Sonne und denken, was für ein schöner Urlaub es doch war.
 

Raus aus dem Wasser

Das Kranen am nächsten Morgen geht problemlos. Der Mastkran ist diesmal einfach nur ein kleiner Hydraulikausleger eines LKWs - also wesentlich angemessener als der Autokran, und das Auswassern der vela geht sehr schön vonstatten. Um 12 mittags sind wir startbereit und haben die Ladung verzurrt, machen uns auf den Weg zurück über Appennin und Alpen. In Altenrhein kommen wir um 22:30 an, stellen das Schiff auf den Parkplatz und fahren weiter nach Hause - ins eigene Bett. Und mit nem Sofa. Und Wasser aus Wand (temperiert). Die Zivilisation hat uns wieder.

Ein kleines Fazit

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Der Aufwand, mit dem eigenen Schiff in den Urlaub zu fahren, hat sich für uns gelohnt. Das liegt auch daran, daß wir echte drei Wochen arbeitsfrei hatten, und somit Zeit. Auch wäre das Chartern einer Yacht für 2 in der Saison für unter 4000.- Euro ohne Nebenkosten möglich gewesen. Dafür kann man schon vier Mal Krankosten und Mastenkranen plus Sprit und Mautgebühren in Kauf nehmen. Mit dem eigenen Schiff unterwegs zu sein, bedeutete für uns, daß wir "Maschine" und Material kennen - und auch zu wissen, was wir uns zutrauen (und was eben nicht).

Wir sind insgesamt knapp 300 Meilen unterwegs gewesen - für eine so lange Urlaubszeit eigentlich nicht viel, aber da der Törn auch unter dem Motto "Wind - Sonne - Bikini & dolce vita" stand und auch ein Erholungsurlaub werden sollte, waren diese Meilen gerade richtig.

Mit einem kleinen Schiff auf dem Meer unterwegs zu sein, verlangt sorgfältige Wetterbeobachtung - die Windvorhersage bestimmt die Reiseroute. Und deshalb muß man auch, wie wir in Capraia in der ersten Woche, mal 3 Nächte Wartezeit auf beseres Wetter in Kauf nehmen. Auch können wir mit 9 PS und 30 Litern Sprit nicht einfach den Hebel auf den Tisch legen und mal eben 50 Meilen motoren.

Das Revier ist, zumindest in Italien, relativ teuer. Die Hafengebühren orientieren sich an den Chartercrews: Wer mit 8 Leuten auf einer Charteryacht unterwegs ist, kann schon 15 Euro pro Nacht und Nase für das Hafenliegen ausgeben. Weniger Leute belastet die Bordkasse pro Kopf mehr. Was mich bei aller Liebe zu Italien immer wieder irritiert: Die gebotene "Leistung" steht in wenig Verhältnis zum Preis. Wir haben weder Dusche noch Seewasserklo mit Fäkalientank an Bord, und waren deshalb auf die Sanitäranlagen in den Häfen angewiesen... und die sind in einem teilweise üblen Zustand. Ich vergleiche gerne mit Kroatien, was ich aus meiner Zeit als Charterskipper auch gut kenne: Dort hat man die Wahl zwischen Buchten und Häfen. Die Häfen sind "teuer", aber dafür auch in einem meist ausgezeichneten Zustand. Wer keinen Hafen benötigt, zieht sich in eine der vielen Ankerbuchten zurück. Die wiederum gibt es im Revier Elba-Korsika so nicht.

Die Reaktionen auf das kleine Schiff und diese Reise waren immer positiv. Unsere Reaktionen auf das kleine Schiff waren auch positiv! Man kann durchaus zwei Wochen Urlaub auf so engem Raum machen. Die Fahrerei ging eigentlich auch gut. Die Koordination des Krantermins war weit weniger "italienisch" als befürchtet, und die Jungs in der Werft sind wirklich sehr sehr sanft mit der vela umgegangen.

Wir würden es wieder tun. Aber diesmal vielleicht doch in die Adria? Mal sehen.

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