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Der Törn beginnt!

Wir starten am Dienstag mit unserer Tour, nach einem schönen Frühstück frühmorgens. Um das Kap bei Salivioli beschleunigt der Wind ordentlich, und einige heftige Boen versetzen uns vorerst mal in den "Angshasenmodus". Wir ziehen erstmal nur das Groß mit dem ersten Reff drin und lassen den Wind erstmal wirken, stellen uns auf die völlig andersartigen Wellen ein (länger als am Bodensee).

Der Kurs ist ein Amwindkurs auf die NE Spitze von Elba zu, danach geht es in die Bucht von Portoferraio hinein. Grob sind es 12 Meilen dahin, und wir sind mit der "Hasen- Segelkonfiguration" zwischen 4,5 und 5 kn schnell.

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Aber nach 20 Minuten haben wir uns an die Wind- und Wellenverhältnisse gewöhnt und ziehen das Vorsegel, die 110% Genua 2.

Diese wird für die nächsten 2 Wochen das Standard- Vorsegel werden, um das mal vorwegzunehmen. Die Leichtwind Genua ist im Tourenmodus nicht unbedingt nötig bzw. macht halt mehr Arbeit, wenn man wechseln muss.

Nach dem Setzen der G2 nimmt die velan noch ein wenig mehr Speed auf, wir sind jenseits der 5 Knoten Grenze auf der Kreuz und erreichen das Kap nach etwas über einer Stunde. Danach mit einem Schrick in den Schoten... fliegen wir gen Portoferraio.

Ich hatte mir vorgestellt, etwas abseits vom Trubel nicht im alten Hafen festzumachen, sonder das Schiff in die ESAOM Werft zu legen, aber einer der Marineros bedeutet mir, daß die ESAOM "no transito" ist. Also doch in den alten Hafen, wo wir problemlos einen Platz bekommen. Es ist ja früh am Nachmittag; wir waren einfach sauschnell.

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Die Sanitäranlagen des Hafens sind in der Stadt, durch das Tor hindurch, dann links, erste rechts. Duschen kostet 2,50 €, sehr sauber.

Ein kleiner Einkauf ist noch auf dem Programm, und wir machen eine kleine Stadtwanderung bevor wir abends zum Essen gehen. Das Restaurant auf der Piazza links können wir absolut nicht empfehlen, da ist Essen eher Stress: Es wird mit einer Geschwinndigkeit serviert, die den MC's oder Burgern in nichts nachsteht, man wartet eigentlich noch auf Essig & Öl für den Salat, da kommt auch das Hauptgericht. Auch preislich ziemlicher Touri Nepp. Leider hat die Trattoria, in der ich mit Judith und einigen Skippern mal einen denkwürdigen Abend verbracht hatte, zu. Nach diesem Fast Food stiefeln wir noch mal auf den Hügel über der Stadt, zur Verdauung. Danach zurück zum Schiff.

Neben uns liegt eine 10m Yacht aus Toulon, ca. 30 Jahre alt - die "Nuage rouge" ist ein früher Aluminium Bau, ganz im IOR Style. Wir sitzen noch 2 Stunden mit den beiden >60J. Herren in einer Cocktailbar am Hafen, laue Luft, flanierende Menschen, einen Longdrink. Schön.

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Gewöhnungstag 2

Mittwoch

Wir starten um 0930, gut gefrühstückt und wollten erstmal die Insel umrunden, so der grobe Plan. Wir brauchen ja nichts "runterreissen", da wir massig Zeit haben. Auf dem Weg aus der Bucht von Portoferraio beschließen wir, im Uhrzeigersinn zu gehen. Bis zum NE Kap ist der Wind eher mau, aber kaum die Spitze gerundet, steht ein schöner Wind aus Nord bis Nordost, so daß wir mit Groß und Genua 2 schöne Fahrt machen, erstmal eine Bavaria 35 versägen. Die vela kommt in der sich aufbauenden Welle ab und zu mal ins Geigen, läßt sich aber problemlos steuern. Unter Land nimmt leider der Wind nach zwei Stunden merklich ab, so daß wir ein wenig weiter raus halten, um nicht irgendwann doch den Motor anwerfen zu müssen.
Die Südküste von Elba ist recht farbenreich duch die roten Felsen, Pinien, und Felder. Sehr entspannend. Unser Ziel, Porto Azzurro erinnert mich immer an den Gassenhauer von Adriano Celentano...

Azzurro,
il pomeriggio è troppo azzurro
e lungo per me.
Mi accorgo
di non avere più risorse,
senza di te,
e allora
io quasi quasi prendo il treno
e vengo, vengo da te,
ma il treno dei desideri
nei miei pensieri all'incontrario va.
*** srry: Volker hat mich gerade darauf aufmerksam gemacht,
daß das Lied von Paolo Conte ist ***

Die Passage mit quasi quasi und dem Zug - naja. Italienische Schmachterei...

Vor "Azzurro" ist kein Wind. Oder eher eine Konvergenzzone. Eben noch 1bft aus inzwischem sE Wind, aber durch den V-förmigen Einschnitt im Land, in dessen Scheitelpunkt der Hafen liegt, eine satte 3-4 aus NW/NNW. Madame macht das, was sie eben immer tut: Batsch auf die Seite, wusch auf 5kn beschleunigen und los geht der Ritt und du kommst aus dem "lazy summer sailing mode" und musst richtig arbeiten, Schoten aktiv fahren, flachtrimmen.

In Porto Azzurro bekommen wir einen schönen Platz neben einem Fischerboot am Schwimmsteg, der Marinero drückt uns die Infobroschüre mit Stadtplan in die Hand. Ein nettes Willkommen. Es gibt Strom (fürs kalte Birra Morretti) und Wasser. Der dunkelgrüne Rumpf ist nach einem Tag segeln mit lauter kristallinen Salzpartikeln übersät. Es gab ja eine Zeit, wo ich über den Süßwassereinsatz auf Yachten im Hafen nur den Kopf geschüttelt habe. Aber wir werden auch zu Bootsputzern und sprühen und wischen drauflos. Lekker, wenn die Fenderüberzüge mit Salz drin auf dem Lack reiben, das gibt ordentlich Kratzer. Der Wassereinsatz hält sich aber in Grenzen, wir sind schnell.

Danach ein kaltes Getränk. Dann HUNGER. Inzwischen ist es 15:00, viele Geschäfte machen erst um 16:00 wieder auf. Und jetzt? Krise? Normal ja, weil Petra und ich bei Anzeichen von "Unterzucker" recht schnell was zwischen die Kiemen brauchen, sonst wird die Stimmung schlecht.

Wir laufen los und finden eine Bar, vor der lauter ältere Herren sitzen und ziemlich lautstark diskutieren (über Politik, die Renten, Berlusconi, die Sozialisten ...). Fein fein. Das ist einer der Orte, wo ich gerne bin. Innen, im Halbdunkel, sitzt die Chefin und wir fragen nach einer Cola und einem Panino - was aufgrund gähnender Leere in der Vitrine ziemlich aussichtslos erschent. Aber sie erkennt den Ernst der Lage und macht Monstersandwiches, mit bestimmt 250g bestem Schinken, Käse; in einem Brot verpackt überbacken. Boah. Gut.

Nach dem essen gehen wir in den Sonnenschutz zum Schiff zurück, lesen ein wenig und dösen, machen uns noch einen Espresso und geniessen danach das Hafenkino, denn immer mehr Schiffe drängeln in den Hafen hinein.

Drei Begebenheiten des Abends:
1. Es kommt eine Flottille. Bestehend aus insgesamt 11 Schiffen, alle um die 30 Fuss, verschiedenste Hersteller, alle aus Frankreich. An der Reling haben alle ein Banner, auf dem "Transligurienne" steht. Eine Bavaria 31 Cruiser liegt direkt neben uns, und der Eigner bereitet bei französischen Chansons das hors d'oevre vor. Schön. So möchte ich auch mal nit 60+ auf dem Schiff sein und es mir gut gehen lassen.
 
2. Russisch Anlegen. Der Hafen ist ja eigentlich voll, und jeder, der jetzt noch kommt, muß vorm Hafen auf Reede ankern. Das sieht ein russischer, lautstarker und augenscheinlich betrunkener Skipper wohl anders und will sich in der Gasse seitwärts an den "Kollegas" festmachen. Das geht nur nicht, weil ja Murings liegen, deren Muringleinen in 30° Winkel in die Gassenmitte liegen. Die Marineros bringen ihn mit 3 Schlauchis und viel Geschrei plus der Drohung, die Guardia Costiera zu holen davon ab. Die Hafenjungs kommen uns auf dem Steg entgegen und schütteln nur den Kopf.

Ich hab ja wirklich nichts gegen Osteuropas Bewohner, echt nicht. Aber vorgreifend: Wir haben in den zweieinhalb Wochen in dem Seegebiet so viele russischsprechende erlebt, die sich so derart daneben benommen haben, daß es allen anderen Gästen in den Häfen, ob Franzosen, Italiener, Spanier, Holländer oder Engländern höchst peinlich war. Null Respekt, null Maß für Alkoholkonsum, extrem prollig.

3. Fleur du vent. Das ist der Name eines Selbstbauprojektes aus dem Raum Luzern. Wir sehen eine Schweizer Registrierung mit LU, ein kleines, flaches Teilchen. Ein wenig Jollenkreuzermäßig. Da müssen wir dann mal hin. Wie sich herausstellt, ist Gregor Bootsbauer und hat diese kleine Yacht selber gezeichnet und mit 3 Freunden gebaut. Sperrholz- Knickspant, Hubkiel, Gennaker, Trapez, Wasserballast, Doppelruder und ein Carbonspargel vom Tornado. Unglaubliche Flunder, 6,6 Meter lang - das Garagengrenzmaß.
Warum erfindet die Werft- Marketingwelt die Chines, die jetzt jeden noch so lahmen Pott zum Cruiser/Racer macht? Gregor hat mit dem Multiknickspant automatisch Chines, und die sind bei der Fleur du Vent auch nötig. Die beiden sind vor zwei Tagen im Glitsch bei +20kn Wind mal eben von Salivoli nach Capraia geheizt, Gregors Freund, der das erste Mal segelt, war die ganze Zeit im Trapez. Gute initiierung (25 Meilen). Wem es da nicht etwas schwummrig wird, mit kurz über 6 Metern bei der Welle... der wird halt Segler. Hut ab, Respekt. Wir trinken einen leckeren Grappa als Absacker bei uns im Cockpit und gehen dann schlafen. 

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Porto Azzurro - Marciana Marina

Heute geht es von Porto Azzurro an der Westküste Elbas entlang, wir haben so gut wie keinen Wind, und die Tauch- und anderern Motorboote machen uns mit ihren Wellen ganz schön zu schaffen. Die Segel ziehen bei dem Geschuckel so gut wie gar nicht. Wir müssen zwei Kaps runden, danach auf NNW Kurs gehen. Es ist ziemlich heiß - gut daß wenigstens die Insekten fehlen, die uns auf dem Bodensee dann immer "besuchen".

Die Buchten an der Westküste sind alle voll mit Ausflugschiffen, Seglern und Motorbooten und eignen sich auch nur sehr eingeschränkt für einen Nachtaufenthalt. Deshalb peilen wir mal eine Übernachtung in Marciana Marina an.

Gegen Mittag kommt ein leichter Südwind auf, und wir machen den Spinnaker klar und fahren langsam die Küste entlang. Eine sehr friedliche Reise.

Unterwegs ein Picknick, ich schließe das neu erstandene Solarpanel an - Wunderwerk. Die Batterie bekommt Ladung, die Kühlbox kann laufen, ohne daß wir uns Sorgen wegen einer leeren Batterie machen müssen. Unser altes Solarpanel war bei gleicher Leistung (20W) fast doppelt so groß in der Fläche. Und da wir ja nur eine Batterie (Exide Maxxima) für Starter und Verbraucher haben, sind wir schnell in Sorge, daß wir den Motor nicht mehr starten können, weil uns die Verbraucher den Saft 'rausnuckeln.

Der Wind schläft irgendwann ganz ein, und wir motoren ein Stück in Richtung der NE Ecke von Elba. Dort ist ein Areal mit dunklerem Wasser, und siehe da, wir bekommen Wind aus Nord und haben wieder mal gut zu tun, überlegen gar, das erste Reff in das Tourengroß zu ziehen. Die Geschwindigkeiten sind jenseits der 5 Knoten - zick zack sind wir auf der Kreuz zugange.

Das Kap querab, können wir dann aufmachen und rauschen mit Schrick in den Schoten gen Marciana Marina. Wir erreichen den Hafen gegen 16:30 und nehmen mit dem Handfunkgerät Kontakt zu den Marineros auf, die uns zu einem perfekt passenden Liegeplatz an den neuen Schwimmstegen geleiten - direkt unterhalb des Genueserturmes. Es gibt Wasser und Strom am Steg - die Duschen sind zur Zeit in Containern untergebracht und haben bis 19:00 geöffnet.

Erstmal waschen wir aber nicht uns, sondern die vela, die nach der Kreuz aussieht wie gepökelt, gehen danach in das Büro des Circolo della Vela, um zu bezahlen. Echt happig: 45 Euro für eine Nacht knöpft mir die Signora ab, hätte auch schief gehen können, denn sie trägt als erstes die Länge von 11,50 in der Formular ein - was aber unsere Masthöhe ist und nicht die LüA. Die sind so kleine Schiffe echt nicht gewohnt. Daß es Leute gibt, die mit 25 ft. zu zweit unterwegs sind, und deren Boot auch noch vela heisst, erstaunt doch. Ändert aber auch nichts am Preis....

Ja und dann ist es Zeit, auch die Bedienungsmannschaft zu waschen - die Perspektive einer Dusche fühlt sich nach so einem heissen Tag toll an. Münzen gesammelt (ja: in den 45 Euro sind die Duschen nicht mit drin!), Handtuch, Wasch- und Putzmittel, Enthaarungswerkzeug - und los in Richung der weissen kleinen Container. Herbste Enttäuschung: Das Wasser, das da aus der Wand kommt, ist nicht einstellbar und unglaublich heiß. Ich breche das Duschmanöver vor Ablauf der Zeit für den Duschgang ab und flüchte nach draußen in die Sonne, wo es kühler ist; Petra geht es nicht anders. Eine echte Fehlinvestition.

Wir wiederholen das Duschen dann am Steg mit dem Wasserschlauch und fühlen uns danach deutlich besser.

Zum Essen geht es bei perfekter Sundowner Stimmung in den Ort, mit Sicht auf das mittlerweile spiegelglatte Meer, den Genueserturm und die Sonne, die langsam untergeht.
 

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Capraia - wir kommen!
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Route Tag 1

Piombino - Portoferraio

Logbuch

14.06.2011

Export einzelner Punkte aus Garmin GPSmap60CSX

10:16:20  6 kn 232° N42 53.763 E10 26.777
10:38:37  5 kn 225° N42 52.778 E10 24.401 (querab Capo della Vita)
11:02:31  3 kn 207° N42 51.437 E10 23.048
11:43:33  5 kn 221° N42 48.844 E10 20.871 (Bucht PF)
11:55:50  4 kn 259° N42 48.445 E10 19.812 (vorm alten Hafen)


 

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Portoferraio - Porto Azzurro

Diverses

Das Wetter kommt via Internet aufs Smartphone, wir haben ein IPhone und ein Motorola Defy mit. Ich habe mir vorsorglich ein Auslands- Datenpaket gebucht, das reicht nach meiner Rechnung für die 14 Tage aus, um Wetter- und Windvorhersagen zu bekommen. Zusätzlich läuft ja in Italien auf VHF Kanal 68 eine Permanentansage, auch für Korsika funktioniert das.

Meine Mitschreibsel in die Navi- Kladde sehen so aus:

Windvorhersage per Windfinder und die Webseite des Consorzio LaMMA sagt für den 15.6.2010 1017 hPa (leicht steigend), eine Temperatur von 22°C mit Sonne. Der Wind ist in Marciana Marina zwischen 6 und 10 Knoten aus NW, in Richtung Korsika (Cap Corse) sind es 11-17kn NNW. Die Wegepunkte lege ich mir auch zurecht, mit einem Generalkurs ab Portoferraio von 286° erreichen wir Marcinaggio (34nm), 21 Meilen sind es nach Capraia mit 311°. Nach Porto Azzurro geht es ein wenig "zurück" ums Capo della Vita, danach gen Süd, später Ost: 15 Meilen sind es circa.

12:00 140° Log: 6,3 4,5 kn
    N 42°51,83 E 010°26,52
13:00 200° Log: 10,3 3,8 kn
    N 42°47,65 E 010°28,75
13:40 248° Log 12,3 4 kn
Motor an   N 42°46,18 E 010°26,64
14:30   Fest Porto Azzurro

Wetterberichte, Wegepunkte und sonstige Infos für den Tag halten wir meist in der Kladde fest (und nicht im Logbuch), weil man beispielsweise beim Abhören des Wetterberichtes auf Kanal 68 erstmal mitschreibt (2 Durchläufe mindestens) bis man alle Infos sicher verstanden hat. Die Wegepunkte bzw. Routen plane ich auch, indem ich diese erstmal in die Kladde notiere. Wir wolltten beispielsweise an diesem  zweiten Tag auch erstmal "kucken", wie sich alles so anfühlt, wenn wir in der Bucht die Segel gesetzt haben.

Störrisches Festhalten an einem Tagesziel bringt häufig nix. entweder (weil zu viel Wind) macht das Ablaufen Sinn - oder (zu wenig Wind) machen auch 5 Motorstunden mit einem kleinen Schiff wenig Sinn. Deshalb ist Törnplanung auch immer ein wenig "Entdecke die Möglichkeiten". Alle Alternativen mit Kursen dazu und vor allem: Distanzen habe ich gerne parat.

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Hafengebühren Elba für 7,75 m
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