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Von Bastia zum Cap Corse

Urlaubsplanung

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Hier in Bastia müssen wir ein wenig planen.

Man fährt ja manchmal los und hat irgendwelche mehr oder weniger ehrgeizigen Ziele. Rund Korsika wäre eines. Oder nach Sardinien wäre ein anderes.

Die ganze Zeit beobachte ich jedoch auch die Wetterentwicklung, die ja die Tourenplanung mit einem kleinen Schiff prägt. Schnell ist es zuviel (Wind) und es gibt auch KeinWind Konstellationen, die stundenlanges Motoren mit 4,5kn bedingen würden. Die Distanzen von Schutzhafen zu Schutzhafen sind auch Teil der Planung.

Die Wetterlage ist relativ labil, und es besteht die Möglichkeit, daß es Mistral geben wird. Dann ist die Westküste von Korsika nicht so prickelnd mit 25 Fuß. Für die nächsten 2 Tage ist eher Südwind oder Südost angesagt, mit 2-5 Knoten. Da ist Aufkreuzen gen Süden nach Campoloro, das ca. 25 Meilen weg ist, auch mistig. Dann Solenzara, dann Porto Veccio. So gehen die nächsten Tage dahin. Und man muß ja auch irgendwann mal umdrehen. Und ein Reservetag wegen zu viel Wind wäre auch gut.

Resumee: Ehrgeizige Ziele weg. Wir sind schon rund Korsika mit 'nem 50 Füsser - jetzt fahren wir gen Nord; der Wind passt.

Von Bastia nach Marcinaggio

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Also denn.
Nach einem schönen Frühstück brechen wir auf, der Wind ist eher leicht und kommt zuerst aus Südost, später dann aus SSE, und wir machen und mit 3kn relativ dicht unter Land auf. Beobachten den Verkehr auf der Küstenstraße, sehen einige alte Wachtürme aus der Genueserzeit, unterhalten uns über alles Mögliche - das ist Urlaubssegeln pur. Später setzen wir nach dem Winddreher unseren Spinnaker und wir sind am frühen Nachmittag in Machinaggio.

Marchinaggio

Der Hafen ist ziemlich leer, es sind sicherlich 200 Meter Kaifläche völlig frei. Ungewöhnlich, dieses Bild. Ich kenne den Hafen eigentlich nur proppevoll. Ein Vorteil, wenn man mit dem eigenen Boot antizyklisch zu den Charterboothorden unterwegs ist.
Wir machen am Kai fest, und da kein einziger Hafenmensch zu sehen ist, gehe ich in die Capitanerie und melde uns an, frage, ob wir auf diesem Platz liegenbleiben können oder das Schiff noch verlegen sollen. Die beiden Mädels in der Verwaltung sind nett, kassieren auch gerne, und meinen, das alles schon in Ordnung ist.
Das Hafenmeisterhaus wird gerade für die beginnende Saison in "toscana-orange" eingefärbt, mit einer Airless- Spritze wird holterdipolter aus abblätterndem beige auf erd-orange umgespritzt. Mit einem ähnlichen Gerät macht auch der Vercharterer Moorings auf der Werft das Unterwasserschiff eines Fahrtenkats. Wir machen einen Spaziergang zur Boulangerie und in den Supermarkt. Sehen uns den Ort an, holen Geld. Es gibt sogar einen Segelmacher, der eine Batterie sehr alter Nähmaschinenschätzchen in seinem Atelier hat, unter anderem die gleiche Pfaff wie bei uns zuhause.
Uns gefällt es hier. Wir bringen die Einkäufe zurück, beobachten das Hafenkino der abendlich einlaufenden Schiffe. Auch das H-Boot vom Starnberger See ist da, aber die Jungs ankern in der Bucht bzw. liegen an der Muring. Auf dem Rückweg vom Hafeneinfahrtsfeuer treffen wir drei der Yachten der Transligurienne wieder - ein babylonisches Sprachgewirr nimmt seinen Lauf. Wir fragen interessehalber, wo denn die anderen sind, und werden gleich  an Bord gebeten und mit selbstgemachtem Pastis beglückt. Das Zeugs ist sehr Prozentig! Wir erzählen vom Bodensee, die französischen Segler über ihre Tour, und daß sie morgen früh sehr zeitig aufbrechen werden, weil es ja knapp 80 Meilen bis zur Südküste Frankreichs sind. Schöne Stimmung dort an Bord. Aber wir müssen los. Weil wir nun zwar Pastis im Kopf haben, aber noch nicht wirklich was gegessen. Und der Effekt ist schon da.

MoBos & Mücken

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Abt.: Schlimme Schiffe :-)

Wir wandern zurück in Richtung der vela, da stürmt ein Motorbratzenbesitzer, Engländer auf uns zu. Was uns denn einfällt, auf seinem Liegeplatz zu liegen. Ob wir seine Festmacher nicht gesehen hätten. Ich erkläre ihm ruhig, daß wir zwar zwei fette Leinen gesehen hätten, aber ich extra im Hafenmeisterbüro gefragt hätte, ob ich dort liegen könne - und er ja seinen Kahn scheinbar auch noch geparkt bekommen hätte. Wir sind ja nicht am Strand auf Malle, wo man seinen Strandliegeplatz mit einem Handtuch markiert. Und ich hatte die Mädels in der Capitanerie extra gefragt, und auch alle am Kai liegenden Crews.
Also machen wir uns auf, in Richtung der Restaurants. In Marcinaggio sind bei Sonnenuntergang extrem viele Mücken unterwegs - also aufpassen und dementsprechende Chemie mitnehmen, sonst wird das Abendessen recht stressig, weil man entweder nicht essen kann oder völig zerstochen wird. Das ganze Spektakel dauert etwa eine halbe Stunde. Jucken tut's die ganze Nacht.

Liegeplatztausch

Nun, mit was im Magen, aber auch noch einem Bier (icke) bzw. einem weiteren Pastis (Petra) schlendern wir zurück in Richtung Schiff, schütteln den Kopf über einen Alu- Eigenbau, der sicherlich in die Kategorie "schlimme Schiffe" gehört. Stehhöhe mal anders: Flushdeck, aber unter Deck durchgängig 2,30 Meter.
Zurück an unserem Liegeplatz ist dort irgendwie eine gewisse Aufregung und allgemeines Achselzucken. Der Eigner einer holländischen Halberg 37 wird von dem englichen MoBo ziemlich unglücklich an einen Vorsprung der Kaimauer gedrückt, und keiner hat eine Lösung für das Problem, und der Halberg-Eigner ist ziemlich unglücklich. Ich mache dann doch den Vorschlag, daß die vela und das MoBo einfach die Plätze tauschen, obwohl ich eigentlich nach dem ganzen Alkohol nicht mehr fahren sollte. Aber das ist ja eigentlich nur ein kurzes Stück. Ein nettes Sundowner Manöver, um die allgemeine Zufriedenheit am Steg herzustellen. Alles geht gut, wir rammen niemanden und bleiben auch nicht in irgendwelchen Muringleinen hängen.

Sundowner in Marcinaggio

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Der Eigner der Halberg ist glücklich. Und weiterer Alkohol folgt. Wie sich herausstelt, ist die Halberg zwar unter niederländischer Flagge, aber das Eignerpaar sind Italiener aus Rapallo. Sie haben dort ein Hotel, daß sie verkaufen wollen, um dann ganz auf der Yacht zu leben. Italienisch Flaggen will der nicht, weil die Behörden in Italien dann den Amtsschimmel loslassen und das alles unglaublich viel Geld kosten wird.

St. Florent. Hin & Rück
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Wetterbericht

In Marcinaggio gibt es in der Hafenmeisterei auch einen gedruckten Wetterbericht.

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Rückseite des Wetterberichtes von Meteo France