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Saildrive: Austausch der Dichtung / Saildrive Manschette

do it yourself

Die Saildrive Manschette, die für die Abdichtung zwischen Saildrive und Rumpf sorgt, sollte nach Angaben des Herstellers alle 7 Jahre ausgetauscht werden. In Foren wird dies recht häufig diskutiert, da die Haltbarkeit der Manschette doch wesentlich höher ist. Einige Nutzer berichten von vollig intakten, aber knapp 20 Jahre alten Saildrive Manschetten. Die Saildrive Dichtung ist erstens teuer - und zweitens ist auch der Einbau eine kostspielige Angelegenheit.

Ich habe bisher eine undichte Manschette gesehen, und zwar bei einer völlig überladenen Yacht. Auf einem für 6 Personen mit Gepäck zugelassenen Dehler 29 waren 4 Fässer Bier, Grillfleisch für 20 Personen und Gepäck für 10. Das Schiff ist zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt gewesen.

Bei der eidegnössischen Schiffsabnahme im Sommer wurden wir gefragt, ob die Saildrive Manschette gewechselt worden wäre, und wir haben über einen Tausch geredet, seitdem wir die vela haben. Letzten Winter war zu wenig Platz in der Halle und ich hatte keinen richtigen "Drive" - aber jetzt, da die Cross 25 mittlerweie 10 Jahre alt wird, kommt der Tag...


Saildrive Manschette erneuern - do it yourself
Nachfolgender Text ist nur eine Dokumentation. So habe ich es gemacht. Es ist deshalb auch keine Anleitung zum Nachmachen. Schon gar keine Empfehlung, die Manschette des Saildrive selber zu wechseln. Wer hier pfuscht oder schlampig arbeitet, riskiert, daß das Schiff hinterher nicht dicht ist und sinkt. Also: Finger weg.

Material

Ich bestellte via Carl Baguhn in Hamburg den Instandsetzungssatz für den Saildrive, Kosten mit Märchensteuer und Versand xxx Euros. War innerhalb von zwei Tagen da. Fehlen tut in dem Paket nur das Dichtungsmittel namens Permatex, daß zwischen die Gehäuseteile der oberen und der unteren Getriebehälfte, zusätzlich zur Dichtung aufgebracht werden soll.
 

Werkzeug

Eigentlich benötigt man außer normalem Werkzeug (Knarrenkasten, Inbusschlüssel, Ring-/ Maulschlüsseln) keinerlei weiteres Werkzeug. Ein Drehmomentschlüssel auch für kleine Drehmomente (10 Nm) sollte allerdings vorhanden sein.

Situation

Bei unserem Schiff ist der Saildrive vor dem Motor eingebaut, wir haben die Ausführung MS25SR-A. Der Motorraum ist sehr sehr klein und eng, vor allem auch in der Höhe. In der gut bebilderten Anleitung von Volvo Penta ist zu sehen, daß das Getriebe nach hinten gekippt werden muß, damit der Getriebefuß aus der Rumpfdurchführung herausgezogen werden kann. Das geht bei uns gar nicht, so daß ich den Wellenstumpf unten (=Propellernabe) ausbauen mußte.

In der Reihenfolge:

1a. Propeller ausbauen. Hierzu die beiden Inbusschrauben Propeller stirnseitig lösen, danach die Welle der beiden Faltblätter entfernen, d.h. mit einem Dorn vorsichtig austreiben. Aufpassen, daß die Faltblätter des Props nicht zu Boden fallen.
1b. Dann die Sicherung der Propellermutternsicherungsschraube mit einem Dorn wegdrücken und danach die Schraube M8 entfernen
1c. Die  Mutter, die den Propeller sichert, mit 23er Nuß und einem Dorn durch eine der Faltprop- Blatt- Achsen als Gegenlager (ggf. abgestützt via Kantholz auf dem Boden) abschrauben.
1d. Propellergehäuse abziehen (Vielzahn)

Getriebeöl

2a. Getriebeöl ablassen. Hierzu die Schraube ganz unten horizontal aufdrehen, Dichtring entweder aus den 2.5 l Getriebeöl angeln, oder sie kommt mit an der Schraube oder verbleibt klebend am Gehäuse. Einfüllöffnung im Schiff aufdrehen. Öl kontrollieren! Es darf keinesfalls Wasser im Öl sein (Schaden Simmering / Lager unten). Pechschwarz deutet auf mangelnde Wechselintervalle oder Lagerschaden hin.

Unteres Lagergehäuse

2b. Das untere Lagergehäuse ausbauen: Hierzu die beiden M8 Inbusschrauben lösen, herausdrehen. Diese sind evtl. mit Sicherungsmittel eingesetzt, so daß sie etwas schwer gehen. Jetzt sollte das Lagergehäuse einen leichten Spalt zum Schaft zeigen, evtl. Antifouling und Farbe wegkratzen und mit Holz und Gummihammer leichte (!) Schläge in allen 4 Richtungen auf die Propellerwelle machen. sobald sich ein Spalt bildet, diesen mit einem Stumpfen, aber dünnen Spachtel vergrößern, ggf. den nächstdickeren Spachtel einsetzen - nicht zu tief in die Fuge gehen. Keinesfalls mit Schraubenzieher oder ähnlichem Keilförmigen Stahlgerät! Ich nutze kleine Plastikkeile vom Fensterbauer. Geduld! Geduld! Irgendwann kann man das Lagergehäuse abziehen; danach die komplette untere Welle samt beider Kegelrollenlager und Simmering.

Umzug: von unten in den Maschinenraum.

3.1 Lösen: Schlauch Seewasserventil. Ich habe auch den Seewasserfilter ausgebaut.
3.2 Lösen: Auspuffschlauch vom Auspuffkühler
3.3 Lösen: Schaltkonsole und Schaltgestänge. Die Kugelköpfe sind mit Drahtsplinten gesichert!
3.4.Lösen: Anlenkung Gaszug (Einspritzpumpe) und Absteller (Einspritzpumpe) samt der Konsole.
Anmerkung: ggf. müssen auch Dieselleitungen abgenommen werden. Genauso kann es mit elektrischen Leitungen sein. Der Motor muß sich 15 cm aus seiner Einbaulage vom Getrieben wegbewegen lassen. Mit Handlampe peinlich genau kontrollieren, ob überall ausreiched Spiel vorhanden ist.
3.5 Lösen: Die 4 Bolzen der Verschraubung der Schwingungdämpfer mit dem Motorfundament. Je 2 BB und STB.
3.6 Jetzt können die 6 Bolzen, die Motor und Getriebe verbinden, losgenommen werden
3.7 Versuch macht kluch: Der Motor müßte sich jetzt nach hinten (siehe Situation: wir haben reverse engine mount) schieben lassen. Evtl. auch hier mit einem Holz als Hebel; zwischen Getriebe und Motor eingesetzt, vorsichtig versuchen. Die 30 mm, die Volvo Penta vorschlägt, sind komplett irreal. Bei der Distanz sind zwar Motor und Getreibe getrennt, aber man kommt mit dem Ring der Dichtung nicht am Motor vorbei. Ich habe den Motor um xxx cm nach hinten bewegt. Hierbei gleitet der Motor auf dem Motorfundament und benötigt keine Unterstützung von unten.
3.8 Jetzt die 8 Schrauben des Saildrive Dichtungsringes losnehmen, plus die 2 Bolzen des Silentblocks am Getriebe zum Motorfundament hin.
3.9. Checken, ob sich die Mimik bewegt und Platz nach oben hat. Denn: It's almost done... Der Saildrive kann jetzt nach oben herausgenommen werden und sollte auch durch die Rumpfabdichtung aus Gummi durchflutschen.

Raus damit

4. Nun zerre ich das Ganze noch ohne Kratzer die Niedergangstreppe hoch, einmal quer durchs Cockpit und leider die Leiter runter. Fertsch. Der Rest passiert zuhause in der Garage.

Saildrive Ausbau: Bilder

13_motor_seewasserventil.jpg 17_seewasser.jpg 18_getriebe.jpg 19_motorlager.jpg
20_getriebeverchraubung.jpg 21_motor_heckwaerts.jpg 22_getrennt.jpg 23_getrennt_2.jpg

Zeitaufwand Ausbau

Zeitaufwand bis hierhin, ohne Stress, alleine, mit Kleinpausen und Fotografieren: 3 Stunden. Das geht auch in zwei. Locker.

5. Austausch der Dichtung zwischen Saildrive Ober- und Unterteil

24_werkbank.jpg

Ortswechsel: Ich befinde mich daheim, in der Garage. Der Saildrive auch. 

Es sind beidseitig je 5 Inbusschrauben zu sehen (6er), wovon beidseitig 2 mit einem Sicherungsdraht verbunden sind. Die Ausblühungen am Unterteil wundern mich etwas. Kar ist es feucht dort, aber ich dachte an etwas mehr Korrosionsschutz seitens Volvo Penta.

Sicherungsdraht durchgeknipst, Inbus genommen, 9 Bolzen gelockert. Der zehnte ist richtig fest, so daß ich erstmal mit Rost-Off einsprühe, warte - um dann nochmal Angst habe, den Bolzen abzureissen. Daraufhin mache ich das Gehäuse warm, in der Hoffnnung, daß es besser wird und das Öl besser eindringt.

Gar mächtig wird des Meisters Kraft, wenn er mit Verlängerung schafft! Das mache ich doch auch. Aber voorsichtig und mit Handschuhen. Kennt man: Wenn man die Ahnung hat, abzurutschen und sich die Knöchel blutig zu schrubben? Mein Meister (selig) sagte dazu dann "faules Fleisch".

Ende vom Lied: Und sie bewegt sich doch, raus.

25_trennen.jpg 26_sdkopf.jpg 27_sdfuss.jpg

Ober und Unterteil

Wie auf den Bildern zu sehen, ist zwischen den beiden Gehäusehälften eine Papierdichtung. Von Renz. Erinnert mich an die Zeiten von Porsche und Alfa- Schrauberei. Die Dichtung ist bei diesem Modell aber ohne Permatex verbaut, daß auch häufig in Anleitungen erwähnt wird. Die Volv Penta Anleitung sieht für mein Getriebemodell auch kein Permatex vor, nur für den Typ .

Das das sich trocken abziehen lässt, werde ich auch keine Dichtmasse auftragen. Auf dem Bild in der Mitte lässt sich das gut sehen. Auch die drei Bolzen, die mich noch von meinem Ziel, der Saildrive Manschette trennen. Und weg damit!

Flansch Saildrive Manschette

29_flansch_vonoben.jpg 30_getriebekopf_fertig.jpg 31_datum_manschette.jpg

Ziel erreicht

Wechsel der Saildrive Manschette

Der Klemmflansch, der die Saildrive Manschette hält, hat zum Getriebekopf hin 2 Gummi- O-Ringe. Ein großer, über dem Mittelteil, aber auch noch einen kleinen an einer der drei Verschraubungen, die ersetzt werden.

Jetzt setzt eine Putz- und Reinigungsaktion ein: Die Saildrive Manschette muß Öl- und Silikonfrei montiert werden, der Flansch von Dichtungsresten - ja... und die Ausblühungen beseitige ich auch. Diverse Werkzeuge im Einsatz: Schaber, 3M Fließschleifmittel, feines und feinsten Schmirgelleinen.

Die 3 Flanschschrauben ziehe ich nach dem Ersetzen des großen O- Rings und des kleinen O- Rings mit 10, dann 25 Nm fest. vorsicht: Beim Aufsetzen des flansches darf der kleine O Ring nicht zerquetscht werden, nur weil er falsch liegt. Ich pappe ihn mit etwas Fett fest. Dann kommt die neue Papierdichtung auf die saubere Dichtungsfläche.

Dann kann das Unterteil wieder montiert werden. Die Befestigungsbolzen habe ich gereinigt und mit Weicon Anti-Seize vorbehandelt, damit die Korrosion nicht so weiter geht. Die Inbusschauben mit dem Loch für den Sicherungsdraht an die richtige Stelle, den langen Bolzen auch, dann im ersten Schritt mit 10, danach mit 25 Nm anziehen. Und zwar über Kreuz, von innen nach außen und hinten nach vorn. Zeichnung anbei.

Fazit: Garagenaufenthalt des Saildrive

Ging ganz gut. Und ist nicht richtig schwer. Zeitaufwand 1 Stunde mit Reinigen und Fotos machen. Am Wochenende gehts dann wieder in Richtung Schiff damit.

Saildrive Faltpropeller

10_propeller.jpg
11_propeller.jpg

Motor Übersicht

12_motor_filter.jpg
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Saildrive Unterteil

Lagerdeckel, Welle

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