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St. Florent. Hin & Rück

Am nächsten Morgen weht ein strammer Wind aus NordNordWest, so daß wir, um stundenlanges Kreuzen zu vermeiden, erstmal ein Stückchen motoren, um dann zwischen der Giraglia und dem Cap Corse die Segel zu setzen. Schnell segeln wir zwischen Inselfestland und vorgelagerter Insel hindurch - ein kurzer Spaß, denn nach dem Runden des Kaps ist auf der Westseite Korsikas fast kein wind mehr.

Genua von Volvo Penta?

Wir probieren die große Genua und auch den Spi, aber bei dem Tempo kommen wir wohl eher nicht in St. Florent an, dem Ziel unserer heutigen Etappe. Die Unterwassergenua kommt zum Einsatz, und wir motoren ein ganzes Stück an der rauhen Küste entlang. Sehr genau kann man die Autostraßen sehen, die in die felsige Landschaft terrassiert sind, einige Steinbrüche haben tiefe Löchser in der Küste hinterlassen. Korsika ist, obwohl bestes Sommerwetter eine rauhe Insel. Ich mag mir immer nicht vorstellen, wie das Ganze bei Weststurm und bedecktem Himmel aussieht. Das habe ich schon einmal mitgemacht, wir mußten und an der Kreuz mit einem 44-Füßer mal gen Cap Corse: Kein echter Spaß.

Endlich mal segeln.

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Später am Nachmittag kommt dann noch etwas Wind auf, und wir können wieder segeln und die letzten Meilen nach St. Florent machen.

Besondere Beobachtung: Eine ca. 50-60 ft. Motoryacht, die wohl so konstruiert ist, daß deren Heckwelle noch 2 Meter über die Aufbauten hochgejagt wird. Man sieht mehr die Fontäne als die Yacht. Palazzo Prozzo.

Die erwähnte Motoryacht ist das schwarz-silberne Teilchen auf dem Hafenfoto von St. Florent weiter unten. Immer wieder schön: Die Unbeholfenheit, mit der diese Riesenklopper in den kleinen, pittoresken Häfen manövrieren. Der "Quai d' horreurs" ist zwar extra reserviert, aber die Marineros müssen immer mit einem, zwei Schlauchies helfen.

Ankunft in St. Florent

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Im Hafen angekommen, legen wir uns an einen der Schwimmstege und werden wie so häufig nach dem Schiff, dem woher und wohin gefragt. Die Prozedur im Hafenmeisterbüro ist laaaangsam. Madame ist wirklich sehr entspannt und telefoniert erstmal einen Viertelstunde "fertig", kassiert dann relativ viel Liegeplatzgebühr und sagt, daß die Duschen schon geschlossen sind. Also Stegdusche. Danach geht es zum Essen: Restaurant-Tipp? Direkt rechts neben der Capitanerie geht eine Gasse hoch, und direkt dort sind 2 Restaurants, die beide Menu Corses anbieten. Aber nur das Rechte ist voll, obwohl die Preise so sehr nicht unterschiedlich sind. Und dieses rechte Restaurant ist es. Sehr gutes Essen, viel Auswahl, freundliche Bedienungen und faire Preise. Man kann sich gut durch Korsika hindurchtafeln.
Am Nachbartisch wieder eine russischsprechende Gruppe - ich kommentier' das mal nicht nochmal. Das Erleben gleicht dem in Porto Azzurro mehrere Tage zuvor.

Frühstück in St. Florent

Der nächste Tag beginnt morgens mit einem Spaziergang durch die noch leeren Gassen von St. Florent, wir holen etwas Geld und Croissants von der Boulangerie, trinken einen Kaffee in einem der Hafencafes. Nicht, weil wir keinen Kaffee an Bord hätten, sondern weil die Toiletten des Hafens noch nicht offen haben. Heute geht es retour nach Marcinaggio, weil uns die Zeit nicht mehr reicht, noch weiter an der Westküste zu bleiben, denn es sind laut Wetterbericht immer wieder starke Winde aus West bzw. Nordwest angesagt - und es gibt wenige Schutzhäfen in zu großer Distanz an diesem Küstenabschnitt. Calvi geht zwar, ist aber ganz schön weit - und auch müssen wir an den Rückweg denken.

Der Stein

Ein wenig Wehmut macht sich schon breit, weil jetzt nur noch Häfen kommen können, in denen wir schon mal waren, und das nun definitiv die Rückreise wird. Vielleicht mit diesen Gedanken laufen wir aus, auf die rote Untiefentonne vor St. Florent zu (Kurs 280°), um nach dem Runden dann segeln zu können: es weht ein schöner Wind aus Nord; kreuzen - macht nix, Hauptsache segeln, statt den ganzen Weg zurückzumotoren.
Ich runde die Tonne, und Petra staut gerade die Festmacher und die Fender weg, meint: "das Wasser ist schön klar, und man kann Steine sehen" ... da touchieren wir auch schon einen dieser Steine, die westlich der roten Tonne liegen. Glücklicherweise sind wir nicht schnel, unter 3 Knoten, aber es scheppert schon ziemlich. Wir drehen noch mal um, zurück in den Hafen. Legen an, und ich schraube alle Bodenbretter raus, um die Kielbolzen zu kontrollieren: trocken. Die gesamte Bodensektion ohne jeglichen Riss. On Top ziehe ich mich um und tauche im dreckigen Hafenwasser auch den Kiel noch ab. Die Rumpf Kielverbindung ist ohne Befund, unten an der Kielsohle ist ein Ratscher zu sehen. Nochmal gut gegangen.

Seemännische Sorgfaltsplicht

Fast zwei Stunden später laufen wir also erneut aus und setzen die Segel, gehen auf die Kreuz; immerhin hat zu allem Unglück wenigstens der Wind nicht abgestellt, so daß wir bei optimalem Segelwind mit über 5 Knoten in Richtung Norden fahren. Unterwegs lauschen wir immer wieder unserer vela, ob es vielleicht doch irgendwelche Geräusche oder Vibrationen gibt, aber meine Doofheit hat glücklicherweise wenig Konsequenzen. Ich sehe mir auf Papierkarte und digitaler Karte erneut an, ob ich da vielleicht was übersehen habe ('nen Stein...) - und siehe da: In dem einen Hafenführer, den wir mit haben, sind westlich der roten Tonne zwei einzelne Steine mit Kreuzen markiert.

Anyway. es ist halt passiert, und es ist auch fast nix passiert. Das Schiff ist trocken, segelt, wir sind fast unverletzt und mit einem Schrecken davongekommen.

Nach 15 Meilen schönem Segelns läßt dich dann der Wind nach, und stirbt schließlich, aber wir haben die Hälfte der Tagesdistanz immerhin geschafft, so daß wir und diesmal nicht grämen, Herrn Volvo und den Autopilot arbeiten zu lassen, Kurs Nord, auf das Cap Corse hin.

Rolex Giraglia Regatta

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Der Tracker der Giraglia

Dort oben ist wieder Wind, und wir fahren einen Schmetterling aus G2 und Groß. Schön. Bei einem Blick nach achtern sehen wir in der Ferne sehr, sehr große Spis oder Gennaker, und auch in der Durchfahrt zwischen der Nordspitze und der vorgelagerten Insel ankern ziemlich viele Yachten. Logo: Giraglia! Das issses! Als dann noch ein Hubschrauber kommt und über den näherkommenden Yachten kreist, wird meine Vermutung zur Gewissheit: Das ist das Rolex Giraglia Race, im Hubi sitzt Carlo Borlenghi, der die Mills 69 "Alegre" beim Runden der Giraglia filmt. Irre. Schnell. Von der Insel nach Genua sind es noch 80 Meilen, die Alegre kommt laut Tracker morgens um 4 in Genua an. Leichtwindkrimi auf dem Mittelmeer.

Zurück in Marcinaggio

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zig-zag: Wendetag!

Um kurz nach 19:00 erreichen wir wieder Marcinaggio und finden auch ein Plätzchen neben der Halberg der italienisch-niederländischen Hoteliers. Diesmal kochen wir an Bord und holen vorher noch alle möglichen Wettervorhersagen.

Es soll mal wieder heftig Wind geben, und zwar ab Mittag des nächsten Tages am Cap Corse, mit 6 bft aus NW, dieses Windfeld breitet sich dann gen Elba aus. Wir beschließen, früh ins Bett zu gehen und sehr früh auszulaufen, um nicht auf der ganzen Strecke zum Etappenhafen Marciana kämpfen zu müssen

Wieder Capraia
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Die vela "inconnu" - Hafenrechnung St. Florent